Geschichte des Stickens

Für viele ist Sticken immer noch eine Handarbeit, die vorwiegend von Frauen an langen Winterabenden betrieben wird. Das Ergebnis sind dann schöne Weihnachts- oder Osterdeckchen, die unsere Wohnzimmer zieren.

Das gibt es natürlich heute auch noch. Auf diese Weise wurden jahrhundertelang wahre Kunstwerke insbesondere im religiösen Bereich geschaffen. Das war sehr zeitaufwändig und dementsprechend teuer.

Mit der industriellen Revolution veränderten sich auch grundlegend die Textiltechnologien. Man denke nur an die mechanischen Webstühle, an große Spinnereien und eben auch an die ersten Stickmaschinen.
Die erste mechanische Stickmaschine entwickelten die Schweizer Franz Rittmeyer und Anton Vogler in der Mitte des 19. Jhdts. Das Prinzip bestand darin, dass eine Nadel mit einem Faden komplett durch ein vertikal gespanntes Stoffteil gezogen wurde.

Dann ruckte der Stoff ein Stück weiter, damit dann die Nadel wieder zurückgestochen werden konnte. Die Nadel stach dabei immer an denselben Punkten, während der Stoff hin und her bewegt wurde, ein Grundprinzip, das auch heute noch in den modernen Stickmaschinen Anwendung findet. Die Bewegung des Textils wurde dabei durch einen sogenannten Pantographen gesteuert.

Ebenfalls in der Schweiz entwickelte Isaak Groebli etwa in der gleichen Zeit die erste Großstickmaschine, die sogenannte Schifflimaschine. Er verband hier die Techniken der Großwebstühle mit denen der Nähmaschinen.

Insbesondere nutzte er das Prinzip des Ober- und Unterfadens aus. Über Spulen wurden so kontinuierlich diese beiden Fäden abgerollt, so dass das mühselige Einfädeln wie bei der Handstickmaschine entfiel.

Auch hier wurde die Stoffbewegung durch einen Pantographen gesteuert.
Das war der Durchbruch der Stickmaschinen.

In der Schweiz aber auch in Deutschland (Erzgebirge/Vogtland) und Österreich (Vorarlberg) entwickelte sich ein vollkommen neuer Zweig der Textilverabeitung: das industrielle Sticken.

Der Pantograph organisierte über einen Lochstreifen (ein Pappband mit eingestanzten Löchern) die Bewegung der Maschine.

Heute wird diese Steuerung vom Computer übernommen. Die Stickvorlagen werden eingescannt, digitalisiert und in ein sogenanntes Punch-Programm umgewandelt. Dieses Programm steuert dann die Stickmaschine.

Auch an der Mechanik der Stickmaschine hat sich viel geändert. Die Maschinen verfügen heute über einen oder mehrere Stickköpfe, auf denen bis zu 12 Nadeln den Stickfaden in unterschiedlichen Farben auf den Stoff bringen.

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